Allgemein:

Startseite

Kontakt

Impressum



Aus der Geschichte:

(Zitat aus www.halle-aktuell.de)

Die Ausdehnung der Stadt Halle in Richtung Giebichenstein setzte um 1890 immer stärkere Akzente, so dass ganze Stadtviertel neu entstanden. Die alte Geiststraße erhielt deshalb als wichtige Durchlaßverbindung erhöhte Bedeutung, die sich durch den Neubau mehrstöckiger Mietsgebäude mit Geschäftsunterlagerungen abzeichnete. So errichtete man 1890/96 auf dem Gelände des Gasthofes “Zum Goldenen Löwen” einen vierstöckigen Komplex mit sechs Fenstern Front, heute Geiststraße 40, dessen Architekten die Gebrüder E.und A.Giese waren.

Die nüchterne, sechs Fenster breite gelbe Backsteinfassade nahm im Erdgeschoß ein großes Café auf, das am 4. Juli 1891 eröffnet wurde. Der Cafetier Georg Käufle wählte die Bezeichnung “Café Hohenzollern” und brachte die Inbetriebnahme durch eine große Anzeige in den Tageszeitungen allen zur Kenntnis. Hier heißt es u.a.:
“Dasselbe mit allen Einrichtungen der Neuzeit ausgestattet, umfaßt außer den Parterre-Räumen auch die ganze I. Etage, wo sich die Billards, die Spiel-, Gesellschafts- und Lesezimmer mit größter Auswahl von Zeitungen und Journalen befinden, und den neu angelegten Garten, welcher Platz für 200-300 Personen bietet.” Das neue Wiener Café besaß eine eigene Konditorei, die “das beste und feinste in Aufsätzen, Baumkuchen, Torten, in Eis, Crémes usw. zu liefern” imstande war.

Neben Kaffee und Erfrischungen aller Art stand das einheimische Lagerbier von Bauer und Kulmbacher Exportbier zur Verfügung. In der Saale-Zeitung erschien ein Bericht über das neue Café, in dem es u.a. heißt:
“Die Einrichtung zeigt bei aller Bequemlichkeit für die Gäste einen stilvoll durchgeführten Prunk. Das große Gastzimmer, in welches der Besucher zuerst tritt ist mit formschönen Stuckarbeiten reich ausgestattet, die freien Wand- und Deckenflächen zeigen große künstlerisch ausgeführte Wandgemälde oder prächtige Spiegel. Selbstverständlich gelangt in den Räumen des Hauses elektrische Beleuchtung zur Anwendung, desgleichen auch Centralheizung. Im Obergeschoß bieten sich eine Reihe großer mit anheimelnder Bequemlichkeit ausgestatteter Gesellschaftszimmer sowie ein Billardsaal dar. In der Höhe des Obergeschosses ist eine große Veranda angeordnet, die zahlreichen Gästen Raum mit der Aussicht auf den Garten bietet. Als ein besonderer Vorzug des neuen Cafés muß die glückliche Verbindung prächtiger Winterräume mit einem schönen, verhältnismäßig umfangreichen Garten bezeichnet werden, umsomehr als ein derartiges Lokal in Halle seit Niederlegung des ‘Café David’ fehlt.”

Die umfangreichen Stuckarbeiten erledigte der bekannte hallesche Bildhauer Keiling, während die großen Wandbilder von dem Maler Schwedler stammen. Das Unternehmen hatte Erfolg, so dass Georg Käufle schon im Herbst 1892 die Konditorei vergrößerte und neben Eis, Kaffee, Tee und Baumkuchen auch die “berühmte Mocca-, Victoria-, Marasquino-, Caprivi-, Bismark- und Napoleons-Torte” anbot. Das “Café Hohenzollern” schloß nach dem Ende des zweiten Weltkrieges seine Pforten, wurde jahrelang als Lagerraum genutzt, ehe der Gehörlosenverband sich hier mit Unterstützung des Rates der Stadt ein Klubhaus einrichtete, das am 22. August 1964 die ersten Gäste und Besucher begrüßen konnte.



Cafe Hohenzollen - Kultur und Geschichte

Beschreibung: 3-schiffiger 9-jochiger Hallensaal mit überreichen vollplastischen ornamentalen, floralem und figuralem Decken-Stuck. Die breiten, unterschiedlich langen Mitteljoche sind durch verkleidete 32-iger Trägerunterzüge voneinander und von den schmalen Seitenschiffen geschieden. Sie ruhen auf 6 korinthischen Säulen mit Kämpfer-Gebälkstück.

In den Zwickelfeldern Bildnismedaillons mit Profil-Porträt-reliefs bedeutender Regenten des Hauses von Hohenzollern und deren Gemahlinnen. Sie werden jeweils von einem Genien-Paar gehalten, je nach Standort zur linken Raumhälfte weiblich, zur rechten männlich. Über den Medaillons Helm mit Preußenadler auf Strahlenstern-Nymbus.


Victoria
(Prinzeß Royal von England)






Friedrich III
König v. Preußen
Deutscher Kaiser
*1831 †1888
Wilhelm II
König von Preußen
Deutscher Kaiser
*1859 †1941




Auguste-Victoria
*1858 OO 1881 † 1921
Luise von Mecklenburg-Streelitz







Friedrich Wilhelm III
König von Preußen
*1770 †1840
Wilhelm I
König von Preußen
Deutscher Kaiser
*1797 †1888




Auguste von Sachsen-Weimar
Friedrich II
König von Preußen
*1712 †1786







Friedrich Wilhelm I
Kurfürst von Brandenburg
*1620 †1688









An den Wänden befinden sich 5 große Wandrahmen aus Stuck. Sie enthielten ursprünglich Leinwandgemälde mit Landschaften. Deren Verbleib ist nicht bekannt. Die Stuckdekoration war reich gefasst und zum großen Teil vergoldet oder versilbert. Florale Motive wurden auf Blattmetallauflagen grün und rot gelüstert. Nach hinten Raumerweiterung in schlichter Art Deco-Gestaltung und großem rundem Oberlicht in farbiger Kunstverglasung aus den 20-iger Jahren dieses Jahrhunderts.

Das Cafe Hohenzollern ist ein bedeutendes Beispiel für die Adaption des höfischen Neu-Barock der Wilhelminischen Ära durch das gehobene Bürgertum. Es beeindruckt durch seine gestalterische und handwerkliche Qualität.